ENDOMETRIOSE FACTS // Teil 2 - Symptome

Im ersten Teil haben wir die Endometriose grob kennengelernt.


Endometrioseherde können im Prinzip überall vorkommen. In der Vaginalschleimhaut, in der Gebärmutterwand, an der Harnblase, am Darm, am Halteapparat der Gebärmutter und selbst Lunge und Hirn können theoretisch betroffen sein. Häufig kommen die Herde aber in der Umgebung der Gebärmutter vor, denn dort scheinen sie ihren Ursprung zu haben.

Diese Herde können stecknadelkopfgroß oder mit dem bloßen Auge kaum sichtbar sein, sie können aber auch mehrere Zentimeter groß (Endometriosezysten erreichen auch die Größe eines Tennisballs) sein.

Diese sehr großen Herde können auch überhaupt keine Beschwerden machen und ein reiner Zufallsbefund sein. "Ups, sie haben Endometriose". Die kleinsten und kaum sichtbaren Herde hingegen können Betroffene manchmal viele Tage im Monat vor Schmerzen in die Knie zwingen. Eine optisch ausgedehnte Endometriose muss also nicht gleich symptomatisch sein und andersherum: klein heißt nicht gleich "gar nicht so schlimm."

Schmerzen als das lehrbuchmäßige Leitsymptom kommen zwar häufig vor, müssen aber nicht zwingend bei Endometriose vorkommen. Ein wahres Chamäleon!

Schmerzen.

Sind häufig und oft abhängig von der Lokalisation der Endometrioseherde.


Unterbauchschmerzen:

Typisch, jedoch nicht immer, ist ein prämenstrueller (vor der Periode) Schmerz im Unterbauch, der etwa 2 Tage vor der Menstruation einsetzt und häufig während der Menstruation bereits rückläufig ist.

Aber: insbesondere bei ausgedehnter Endometriose zeigt sich das Schmerz- und Beschwerdebild menstruationsunabhängig unterschiedlich ausgeprägt.

Je nach Lokalisation der Endometriose können andere Symptome auftreten:


Dyspareunie:

Schmerzen beim Sex. Sitzen die Herde um, an oder in der Vaginalschleimhaut kann die schönste Nebensache der Welt schnell zur absoluten Nebensache werden, denn an Spaß ist bei diesen Schmerzen kaum zu denken.


Dysurie:

Schmerzen beim Wasserlassen. Oft zyklisch, also zyklusabhängige Schmerzen, beim Wasserlassen können ein Hinweise sein, dass Endometrioseherde an der Harnblase sitzen.


Dyschezie:

Schmerzen beim Stuhlgang. Auch hier gilt: treten diese Schmerzen mit System, also zyklisch gehäuft aus, sollte man an auch an die Endometriose denken. Aber auch azyklische Schmerzen können durch diese Erkrankung verursacht werden.


Bei Befall von Blase und Darm kann es insbesondere perimenstruell (währen der Periode) zu blutigem Urin und Stuhlgang, zu Druckgefühl, Blähungen, Krämpfen, Durchfällen und Vertopfungen kommen. Extrem seltene Beschwerdebilder sind vom erkrankten Organ abhängig und äußern sich z. B. durch chronischem Husten (bei Lungenbefall) oder Nervenschmerzen.


Sterilität. Unerfüllter Kinderwunsch

Neben der Schmerzsymptomatik steht die Sterilitätsproblematik bei Frauen mit Endometriose im Vordergrund. Bei 30–50 % der Frauen mit Sterilitätsproblemen konnte eine Endometriose nachgewiesen werden. Als Ursache hierfür kommen Verklebungen und Vernarbungen mit Beeinträchtigung der Eileiter in Betracht. Weitere Faktoren scheinen jedoch an der Sterilitätsproblematik von Endometriosepatientinnen beteiligt zu sein, da auch Frauen mit unauffälligen Eileitern betroffen sind sowie Schwangerschaftsraten bei künstlicher Befruchtung schlechter sind. Im Rahmen von aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen werden hier derzeit unter anderem Autoimmunmechanismen, verminderte Eiszellqualität, genetische Veränderungen sowie ein veränderte Gebärmutterschleimhaut mit einer gehemmten regulären Einnistung diskutiert. Habe euch die Studien unten verlinkt.


Lebensqualität.

Das Krankheitsbild der Endometriose schränkt die Lebensqualität zum Teil deutlich ein. Stell dir vor du hättest chronische Schmerzen gegen die kein Kraut gewachsen ist, zusätzlich unerfüllten Kinderwunsch und wegen einer Erkrankung ständige Operationen und medikamentösen Behandlungen (Dazu im nächsten Artikel mehr.)


Das mentale und psychische Leiden ist für Betroffenen oft einschränkender als die ständigen Schmerzen. Man darf auch nicht vergessen, dass oft junge Frauen betroffen sind. Die mentale Stärke, das Selbstwertgefühl, ganz allgemein die Resilienz ist mit jungen Jahren nicht so gefestigt, wie in höherem Lebensalter. Zu den psychischen Auswirkungen wird es ebenfalls noch einen gesonderten Beitrag geben.


Mein Tipp.

Um die Symptome einordnen und nachvollziehen zu können, ob sie Schmerzen willkürlich, oder vielleicht sogar zyklisch auftreten, empfehle ich meinen Patientinnen ein Schmerztagebuch zu führen. Dies ist in vielen Zyklus- Apps integriert und sollte langfristig gepflegt werden. Nur so können Betroffene und deren ÄrztInnen verstehen, ob und inwiefern die Symptome zyklusabhängig sind.




#Endometriose #Symptome #Kinderwunsch


Quellen:

Ulrich U, Buchweitz O, Greb R. et al. National German guideline (S2k): Guideline for the diagnosis and treatment of endometriosis: long version – AWMF Registry No. 015-045. Geburtshilfe Frauenheilkd 2014; 74: 1104-1118

Suche in: PubMed Google Scholar


Dunselman GA, Vermeulen N, Becker C. et al. ESHRE guideline: management of women with endometriosis. Hum Reprod 2014; 29: 400-412

Renner SP, Strick R, Oppelt P. et al. Evaluation of clinical parameters and estrogen receptor alpha gene polymorphisms for patients with endometriosis. Reproduction 2006; 131: 153-161

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Sallam HN, Garcia-Velasco JA, Dias S. et al. Long-term pituitary down-regulation before in vitro fertilization (IVF) for women with endometriosis. Cochrane Database Syst Rev 2006; (01) CD004635

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© 2020 Dr. med. Konstantin Wagner