ENDOMETRIOSE FACTS // Teil 3 - Diagnostik // Habe ich Endometriose?

Ein wichtiger Schritt zur Diagnose dieser Erkrankung ist die eigene Wahrnehmung und der eigene Verdacht auf Endometriose. Wenn man als Patientin den Verdacht hegt die Beschwerden könnten auch eine Endometriose sein ist viel gewonnen. Natürlich bekommt man als FrauenarztIin ein schnelles Gefühl für Erkrankungen, aber wir sehen Patientinnen wenige Momente in ihrem Leben. Ihr seid täglich mit euch und eurem Körper beschäftigt.


Neben all den Bemühungen und Untersuchungen, die eure Ärzte an den Tag legen können, ist ein Faktor enorm wichtig und einzigartig: Euer Körpergefühl. Als Frau kennt man seinen Körper und die unterschiedlichen Phasen im Zyklus um ein Vielfaches besser als außenstehende Menschen. Ist etwas neu, über längere Zeit verändert und/ oder nie da gewesen, kann neben all den "normalen" Schwankungen auch an eine Erkrankung gedacht werden.


Die Frage: "Könnte ich Endometriose haben?" werde ich pauschal auch hier nicht beantworten können, aber ich werde euch schildern welche Schritte gegangen werden um sich der Diagnose zu nähern. Vor allem die zukunftsträchtigen Bluttests auf Endometriose machen immer wieder Hoffnung und scheinen ein Lichtblick für Ärzte und Betroffene zu sein. Ob die Hoffnung gerechtfertigt ist, lest ihr im Experten- Teil weiter unten.


Was Ärzte machen:


Zuhören und die richtigen Fragen stellen

Die so genannte Anamnese:

Dabei geht es um den Zyklus, die Beschwerden, Vorerkrankunge, Sterilität, Vor Operationen, ob es Familienmitglieder gibt mit ähnlichen Beschwerden, welche Verhütungsmethode bereits wahrgenommen wurde. Was ist mir Stress, Schlaf, was macht die Psyche. Selbst Informationen über den Partner können hilfreich sein.


Die Untersuchung

Bei Patientinnen mit (Verdacht auf) Endometriose soll eine gynäkologische Untersuchung

mit geteilten Spekula (Instrumente zur vaginalen Inspektion) und eine

bimanuelle (vaginal und rektal) Tastuntersuchung durchgeführt werden.


Bezüglich der rektalen Untersuchung existieren keine Studien, die dadurch verbesserte Ergebnisse nachweisen, können aber für eine bessere Planung der operativen Therapien dienen.


Die transvaginale Sonographie (TVS) ist wesentlicher Bestandteil. Endometrioseherde oder sogar Zysten können hier unter Umständen gesehen werden. Außerdem kann man die Ultraschallsonde als Instrument benutzen und schauen ob die Gebärmutter gegenüber Darmanteilen beweglich ist, oder Schmerzen bei Druck ausgelöst werden können. Falls die TVS keine ausreichende diagnostische Sicherheit bietet, kann in Ergänzung

eine MRT des Beckens durchgeführt werden.


Die Magnetresonanztomographie (MRT)

Hat ein diagnostisches Potential. Insbesondere Herde in der Gebärmutterwand (Adenomyose), oder auch Herde in Bändern und der Beckenwand können so unter Umständen detektiert werden und erlauben bei einer tief infiltrierende Endometriose eine bessere Planbarkeit einer Operation. Auch organübergreifende Herde wie zum Beispiel an der Niere oder den Harnleitern sind per Ultraschall und auch während einer Bauchspielgelung mitunter nicht zu sehen und können eventuell durch das MRT gezeigt werden.


Die Operation - Bauchspiegelung

Ist und bleibt vorerst noch der Goldstandard. Die Bauchspiegelung ermöglicht zum einen die Ausdehnung der Endometriose zu beurteilen, zum anderen können sichtbare Herde in der gleichen Sitzung entfernt und verödet werden. Die Entfernung dient ebenfalls der feingeweblichen Sicherung und Untersuchung. Nur der Blick unter das Mikroskop wird letztlich die Verdachtsdiagnose bestätigen. Es schwingt aber auch ein großes "aber" mit. Die Bauchspieglung ist und bleibt eine Operation und auch ein großer Einschnitt. In das Leben der Betroffenen und in den Körper. Je nach Alter der Betroffenen wird man schon in sehr frühen Jahren operiert. Oft bleibt es nicht bei einer Operation und jede neue Narbe, jede neue Wunde und jede neue Narkose machen einen solchen Eingriff riskanter. Hinzu kommt, dass offensichtliche Herde zwar die Diagnose sichern und therapeutische Schritte schon in der OP eingeleitet werden können, eine unauffällige Bauchspiegelung aber die Diagnose keinesfalls ausschließen kann. Nicht sichtbare Herde wie bei einer tiefinfiltrierende Endometriose oder Adenomyose machen die Diagnose selbst mit einer Bauchspiegelung schwer. Der Weg zur Bauchspiegelung sollte also auch mit allem für und wider gemeinsam betrachtet werden.


Die Zukunft - Diagnose per Blutuntersuchung?

Aktuell wird stark an einem Test geforscht, der ohne eine OP sicher die Diagnose Endometriose stellen kann. Immer wieder laufen Studien und Tests die zunächst vielversprechend klingen und sich dann verlaufen. Medial immer wieder (seit 2004!) präsent ist ein Test einer Firma mit Sitz in Großbritannien. Angeblich soll dieser Test mit bis zu 90%iger Sicherheit das Vorhandensein von Endometriose, selbst in minimaler und leichter Ausprägung, vorhersagen.

Es werden dabei Veränderungen von Erbmaterial in Mitochondrien untersucht. Wenn dem so wäre, dann ist es natürlich auch verständlich, dass bei Endometriose eine familiäre Häufung zu beobachten ist. Das in den Mitochondrien vorhandene spezielle Erbgut wird jeweils von Mutter an die Tochter übergeben. In der Originalpublikation werden eine Sensitivität von 81,8 % bzw. 85,1% und eine Spezifität von 72,2 % bzw. 57,9 % beschrieben. Wie man aus diesen Zahlen auf eine 90%ige Sicherheit des diagnostischen Tests schließen soll, ist vollkommen unklar.


Die Endometriosis Research Foundation (http://endometriosisfoundation.org/) formuliert die Aussage über solche potenziellen Tests so: "there are presently no endometriosis diagnostic or treatment biomarkers that have been demonstrated to have the validity and reliability necessary to be used in routine clinical diagnosis or care."


Weiter Zukunftsmusik. Weitere Forschung. Weiter warten und hoffen.


Derzeit bleibt den Ärzten zur besseren und früheren Diagnose von Endometriose nur eins:

den betroffenen Frauen gut zuzuhören und gewissenhaft untersuchen und aus den Ergebnissen möglicherweise weitere Diagnostik vorantreiben.



Mein Tipp!

Macht euch vor eurem Termin in eurer Frauenarztpraxis einfach einen kleinen Notizzettel, oder schreibt ein paar Stichpunkte in euer Smartphone, was ihr eurer Ärztin oder eurem Arzt erzählen wollt. Das mag dir albern vorkommen, aber so gerät nichts in Vergessenheit und das Gespräch läuft strukturierter ab.


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Quelle(n):

https://academic.oup.com/humrep/article/28/6/1552/603470


https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-045l_S2k_Diagnostik_Therapie_Endometriose_2020-09.pdf


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© 2020 Dr. med. Konstantin Wagner