Unregelmäßiger Zyklus

Aktualisiert: Okt 13

Steigen wir direkt mit einem Fakt in die Thematik ein, den du so vielleicht nicht vermutet hättest: nur wenige Frauen haben ein "Schweizer Uhrwerk Zyklus", also regelmäßig und über Jahre die lehrbuchmäßigen 28 Tage. Und ich betone Lehrbuch 28 Tage! Die realen Zyklen sind selten regelmäßig und auf den Tag genau. Unregelmäßigkeiten sind also durchaus zu erwarten und im Leben einer Frau auch phasenweise "normal". Wichtig ist es krankhafte Unregelmäßigkeiten zu kennen, zu entdecken und möglicherweise zu behandeln.


Taktgeber für deinen Zyklus sind die Hormone, auf die wir in anderen Artikeln schon eingegangen sind. Diese Hormone bestimmen deinen Zyklus und dessen Abläufe. Unregelmäßigkeiten kann es auf allen Ebenen geben und in allen Phasen des Zyklus. So kann die Follikelphase (das Heranreifen der Eibläschen) gestört sein, der Eisprung verzögert, oder auch die zweite Zyklushälfte verschoben sein. Im Alltag lauern viele Einflussfaktoren auf den weiblichen Zyklus wie beispielsweise Stress, Leistungssport, Zigaretten- oder Alkoholabusus, Orts- oder Klimawechsel und selbst Ernährung kann den Zyklus beeinflussen. Und hier sprechen wir noch nicht über mögliche vorherige hormonelle Verhütung, Vorerkrankungen oder Stoffwechselstörungen. Selbst der Lifestyle hat Einfluss. Ein unregelmäßiger Zyklus kann aber auch auf Erkrankungen zurückzuführen sein.


Was gibt es für Unregelmäßigkeiten?

  • Kurze Zyklusdauer, öfter Blutungen (Polymenorrhoe)

  • Lange Zyklusdauer, wenig Blutungen (Oligomenorrhoe)

  • Ausbleibende Regelblutung (Amenorrhoe)

  • Abgeschwächte Regelblutung (Hypomenorrhoe)

  • Verstärkte Regelblutung (Hypermenorrhoe)

  • Anhaltende Regelblutung (Menorrhagie)

  • Auftreten von Zusatzblutungen (Metrorrhagie)

  • Schmierblutungen (Spotting)

  • Kein wirklicher Zyklus erkennbar

Was ist "normal"

Normal gibt es im Prinzip nicht! Ein physiologischer Zyklus dauert zwischen 25 und 35 Tage bei einer Blutungsdauer von drei bis sieben Tagen. Alles „von bis“ Angaben. Die erste Zyklushälfte beginnt mit dem ersten Tag der Menstruation und die zweite Zyklushälfte beginnt mit dem Eisprung nach 12–15 Tagen. Die 2. Zyklushälfte dauert meistens 14–15 Tage und ist der konstantere Part im Zyklus. Der physiologischer Blutverlust ist 60–120 mL. Abweichungen von dieser „normalen“, regelmäßigen Menstruationsblutung werden Zyklusstörungen (Menstruationsstörungen) genannt, wenn sie über einen längeren Zeitraum auftreten und/ oder neu auftreten. Ein regelmäßiger Zyklus von 36 Tagen gilt also nicht gleich als "unphysiologisch". Ein Eisprung, der immer an Tag 16/17 stattfindet ist auch nicht verspätet, sondern einfach dein Zyklus.


Wann sollte ich ärztliche Hilfe einholen?

Eine pauschale Regel gibt es hier nicht. Als Faustregel kannst du dir aber folgende Konstellationen merken, die man abklären lassen sollte :

  • eine Veränderung eines vorher völlig unauffälligen Zyklus, welche länger als drei Monate andauert

  • Wenn du noch nie oder sehr selten deine Periode hast/ hattest

  • Zusätzlich männliches Behaarungsmuster

  • Anhaltende Schmier- oder Zwischenblutungen

  • Sehr starke und anhaltende Periodenblutung

  • Ständige Schmierblutungen


Sprich bei Unsicherheiten am Besten mit deinen zuständigen Ärzten.


Du kannst aber auch gerne von mir in meiner ONLINE SPRECHSTUNDE eine Einschätzung bekommen.


Was sind Gründe für Unregelmäßigkeiten?

Es gibt aufgrund der Komplexität des weiblichen Zyklus unabhängig von den oben bereits beschriebenen Lebensweisen viele organische Ursachen für Zyklusunregelmäßigkeiten, wie zum Beispiel:

  • PCO- Syndrom

  • Eierstockszysten

  • Gelbkörperschwäche

  • Schwangerschaft

  • Ovarialinsuffizienz ("Eierstocksschwäche")

  • Schilddrüsenerkrankungen

  • Gutartige Tumore (Prolaktinom, Myom etc.)

  • Entzündungen

  • Fehlgeburten

  • Medikamente

  • Stress


Dies sind nur einige wenige Beispiele. Entsprechend langwierig und erschwert kann auch manchmal die Diagnostik bei deinen Ärzten sein.


Was machen die Ärzte?

Vor allem erst einmal zuhören! Es ist wichtig die Zusammenhänge, die Vorgeschichte, mögliche Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, soziale und private Umstände in die Diagnostik mit einfließen zu lassen. Eine körperliche Untersuchung und Ultraschall des Unterleib gehört immer dazu. Blutuntersuchungen auf Hormonstörungen können Bestandteil sein, je nach Vorgeschichte. Die Therapie richtet sich natürlich nach der Ursache und sollte immer in Absprache mit der Patientin erfolgen. Auch hier ist es wichtig zuzuhören. Wie ist die weitere Familienplanung, was ist gewünscht und gewollt.


Was kannst du machen?

Zunächst einmal ist es wichtig dich und deinen Life- Style zu reflektieren. Wie sieht es bei dir aus mit Stress, Schlafmangel, viel Sport, Ernährung, Gewicht. Rauchst du, trinkst du Alkohol? War dein Zyklus immer schon unregelmäßig, oder ist er es erst geworden? Nimmst du Medikamente oder hast du Infektionen gehabt? Du solltest dir vor dem Besuch deiner Gynäkolog*in vielleicht sogar eine Liste mit all diesen Stichpunkten aufschreiben. Das macht es uns Ärzten leichter und bringt dir vielleicht schon Klarheit in die Problematik.


Agnus Castus (Mönchspfeffer) ist ein pflanzliches und gut erprobtes Mittel gegen Zyklusbeschwerden und dem prämenstruellen Syndrom. Es hilft aber auch bei Unregelmäßigkeiten. Wichtig ist, dass die Einnahme langfristig und mindestens 12 Wochen erfolgen muss, um einen möglichen Effekt zu erzielen. Während der Schwangerschaft und/ oder Stillzeit sollte man Agnus Castus nicht verwenden. Es gibt auch Kreuzreaktionen mit bestimmten Medikamenten. Im Zweifel sprecht ihr die Einnahme mit euren Ärzt*innen ab.


Zyklusunregelmäßigkeiten sind nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel (kein schlechter Wortwitz) im Laufe eines Frauenlebens. Sehr oft verbirgt sich dahinter auch gar nichts Schlimmes, sondern eine Laune der Natur. Eine nervige und lästige Laune, aber eben nicht unbedingt Behandlungsbedürftig. Doch gerade wenn es um Kinderwunsch geht, können solche Unregelmäßigkeiten natürlich stören und das Vorhaben erschweren. In der Praxis habe ich damit fast täglich zu tun und jede Beratung ist so individuell wie die Frau selbst. Für jeden oben aufgeführte Regeltempo- und Regeltypusstörung gibt es spezielle Untersuchungen. Dem Verdacht auf ein Polyzystisches- Ovar Syndrom wird anders nachgegangen wie eine verstärkte und verlängerte Blutung. Entsprechend ändert sich auch die Therapie.Außerdem ist der Zyklus ein sehr träger Mechanismus. Er braucht unter Umständen etwas Zeit um wieder in die Bahn zu kommen.

Sei also deiner Gynäkolog*in nicht böse, wenn nach dem ersten Besuch noch kein Grund gefunden wurde. Der Zyklus brauch Zeit!


In diesem Video erkläre ich die genauen Abläufe des weiblichen Zyklus:

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© 2020 Dr. med. Konstantin Wagner