"Was sind Beta Streptokokken?"

"Was sind Beta Streptokokken?"

Zunächst einmal muss man klären was #streptokokken überhaupt sind. Es sind Bakterien. Wie du vielleicht weißt gibt es tausende Arten von Bakterien mit unterschiedlichsten Charakteristika. Stell dir einfach vor man sagt: Es gibt Hunde. Es ist also eine Art Überbegriff. Unter den Bakterien gibt es so genannte Streptokokken. Stell dir vor man sagt Dackel. Und unter den Strptokokken gibt es unter anderen die Streptokokken der Gruppe B.

B- Streptokokken, oder beta- Streptokokken (GBS). Stell dir vor ich sage Rauhaardackel.


Streptokokken stellen eine große Gruppe von Bakterien dar, die zu sehr unterschiedlichen Erkrankungen führen können.


Wichtig werden sie in der Schwangerschaft, weil man gesehen hat, dass diese GBS bei 10–30% der meist Schwangeren vorkommen können.


Wir sind also mit diesen Bakterien besiedelt ohne das sich unser Körper daran stört. Soweit, so gut.

Man hat gesehen, dass diese Bakterien zwar nicht für die Mutter gefährlich sein müssen, aber bei Geburt auf das Kind übertragen werden können. Hier kann es zu einer

Infektion und Gefährdung des Kindes (besonders bei niedrigem Geburtsgewicht und bei Frühgeborenen) kommen. Diese Infektion kann einen schweren Verlauf im Form einer Blutvergiftung (Sepsis) mit Hirnhautentzündung (Meningitis) nehmen. Man unterscheidet hierbei das zeitliche Vorkommen dieser Infektion in einer

Early Onset:

Schwere Sepsis in wenigen Stunden bis 7 Tage nach Geburt mit einer Sterblichkeit (Letalität) von 60–70 %.


Und eine


Late Onset:

1–8 Wochen nach Geburt mit meningitischen Symptomen und oft neurologische Restschäden. Das Keimspektrum ist hier jedoch ein anderes, da es sich um Infektionen nach der Geburt handelt. Hier liegt die Letalität bei 10–20 %.


Um dem zuvorzukommen wurde ein Screening (Suche) in der 35+0 bis 37+0 SSW etabliert, bei dem deine Gynäkologin/ Gynäkologe einen Abstrich vom Introitus (keine Spekulumuntersuchung nötig!) und am Anorektalabstrich macht und diesen ins Labor schickt um zu schauen, ob bei dir diese Bakterien vorhanden sind.


Problem dabei ist: diese Leistung wird aktuell nicht durch Kassen erstattet. Warum nicht? Ich denke es geht wie immer um den lieben Kosten- Nutzen Vergleich. Eine Infektion des Kindes ist Gott sei Dank selten, sodass ein flächenhaftes Screening für die Kassen sehr kostspielig wäre.


Risikofaktoren für Übertragung auf das Kind sind übrigens:

Eine hohe Keimdichte im mütterlichen Urogenitaltrakt zum ET.

Intervall Blasensprung – Entbindung > 18 h.

Fieber unter der Geburt

Frühgeburt vor 37+0.

Z.n. Geburt eines an GBS erkrankten Neugeborenen

Übrigens: Eine Wassergeburt erscheint auch bei positivem GBS-Status nach aktueller Datenlage vertretbar.


Was passiert, wenn bei dir GBS nachgewiesen worden sind?

Es kommt darauf an zu welchem Zeitpunkt sie nachgewiesen wurde.

Sollten sie im Rahmen des Screenings nachgewiesen worden sein erfolgt bei Geburtsbeginn, also vorzeitigem Blasensprung oder muttermundswirksamer Wehentätigkeit eine prophylaktische antibiotische Therapie. Hierdurch wird die Inzidenz (Neuauftreten) der Early-Onset-Erkrankung um 70% gesenkt. Oder auch: ohne Therapie 1,7 Fälle/1000 Geburten; mit Therapie 0,6 Fälle/1000 Geburten.

Die Late-Onset-Erkrankung wird nicht beeinflusst, da sie auch häufig durch andere Keime verursacht werden kann.


Sollten die Bakterien zufällig vor diesem Zeitraum nachgewiesen werden ist eine antibiotische Therapie ohne Symptome nicht effektiv.


Übrigens: Schwangere mit vorangegangener Geburt eines GBS-infizierten Kindes müssen behandelt werden, unabhängig vom letzten Abstrichresultat.


Die Entscheidung ob du dich testen lassen möchtest und die Kosten übernehmen willst obliegt euch. Ärztlicher Fakt und Wunsch ist jedoch:

Ein Screening aller Schwangeren im letzten Trimenon auf GBS wäre zu empfehlen.




Quelle:

Uhl B. Streptokokken der serologischen Gruppe B (GBS). In: Uhl B, Hrsg. Gynäkologie und Geburtshilfe compact. 6. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2017. doi:10.1055/b-004-132264

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© 2020 Dr. med. Konstantin Wagner